GALERIE

CAROL JOHNSSEN

 

Sigrid Nienstedt

"Anderswelt" Malerei

Ausstellungsdauer: 15.01.2004 - 06.03.2004

 

Sigrid Nienstedt (*1962) ist eine großartige Koloristin, betrachtet man ihre Gemälde, so entfalten sie ein wahres Feuerwerk der Farben. Zumeist verwendet sie Ölfarben, Hauptthemen ihrer Malerei sind Landschaft und Tiere. Haben wir es also mit leicht zugänglichen Motiven bzw. Inhalten zu tun? Ja und nein, denn ihre Arbeit ist geprägt von der "doppelten Lesart" ihrer Bilder (Michael Stoeber). Zum einen kann das Auge den Berg, das Meer, den Strand, die Schiffe, den Hafen, den Leuchtturm oder den Dobermann, Dalmatiner, die Hauskatze schnell erfassen, da der gewählte Bildausschnitt und -aufbau sehr klar und konzentriert sind. Die Künstlerin bezeichnet ihre Arbeiten als "entrümpelt" im Gegensatz zu den Vorlagen, die sie verwendet. Sigrid Nienstedt arbeitet nicht nach der Natur sondern entromantisiert bzw. entkitscht Postkarten- und Prospektmotive, wobei ihre Farbgebung auf die ästhetik der Werbung starken Bezug nimmt. Ihre Malerei steht in engem Wechselverhältnis zu unseren "technischen Bildwelten", und arbeitet mit deren "Bildmanipulationen, die längst unsere Sehgewohnheiten beeinflusst haben: etwa eine unnatürliche Farbigkeit, einfache Bildanlagen, die auf einen schnellen Blick erfasst werden müssen, sowie das Spiel mit Unschärfen, die Reduktion auf ein Format oder die Erwartung des Seriellen bzw. Ensembles." (Birgit Jooss) Die Bilder brauchen keine erklärenden Titel mehr, Nummern weisen ihnen ihren Platz im Werkablauf. Das Kolorit ist kräftig und die Spannung im Bild entsteht maßgeblich durch den Einsatz spannungsreicher Farbkontraste, die jedoch nie bis zur Dissonanz getrieben werden. Dennoch sind ihre Farben weit weg von den Lokalfarben und zielen vielmehr auf deren Gefühlswerte ab. Das wiederum kann der Einstieg in eine tiefere Dimension der Gemälde von Sigrid Nienstedt als "Farblandschaften" (Michael Stoeber) und "Seelenlandschaften" (Oskar Kokoschka) sein. In ihren Motiven tilgt sie alles Spezifizierende oder Individualisierende, zurück bleibt das Grundsätzliche, beim Anblick dessen den Gedanken und Gefühlen des Betrachters weite Möglichkeiten eingeräumt werden. Als "Farblandschaften" sind gerade ihre Landschaftsbilder schon fast Farbfeldmalerei. Als "Seelenlandschaften" haben sie etwas Expressionistisches aber auch etwas an den Magischen Realismus eines Franz Radziwill oder Carlo Mense Erinnerndes in sich. Im Unterschied dazu sind sie jedoch menschenleer aber nicht unberührt vom Menschen. Michael Stoeber geht so weit zu sagen, dass es darauf "eine Allianz zwischen Natur und Kultur gegen den Menschen" gibt, anders als auf den Gemälden Edward Hoppers etwa, "wo die Fremdheit zwischen dem natürlichen und zivilisatorischen Horizont ein geradezu konstitutives Element" bildet. Vielleicht haben diese Landschaften und Tiere aber auch den Menschen, nachdem sie von ihm geformt, bewohnt und domestiziert worden waren, schlichtweg wieder hinter sich gelassen?        

  

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